Ludwig von Gleichen-Rußwurm, See mit Pegasusgruppe im Hofgarten von Veitshöchheim (Verödet), ölhaltige Farben auf Gewebe, Museum im Kulturspeicher Würzburg

Bilder von Schillers Enkel in Weimar und Würzburg

Erstmals hat die Klassik Stiftung Weimar ihre Bestände mit denen des „Museum im Kulturspeicher in Würzburg“ zusammengeführt. Über 30 Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken des Schiller-Enkels Ludwig Gleichen-Rußwurms sind jetzt in Weimar und später in Würzburg zu sehen.

Von Henrike Holsing
aus dem “Museum im Kulturspeicher Würzburg”

Ludwig Gleichen-Rußwurm, Vertreter der Weimarer Malerschule und Enkel Schillers, wird oft vor allem in Weimar verortet. Seine Wurzeln aber lagen auch in Unterfranken, auf dem malerischen Familiensitz Schloss Greifenstein bei dem Dorf Bonnland. 1937 wurden Dorf und Schloss Teil des Truppenübungsplatzes Hammelburg und Gleichen-Rußwurms Sohn Alexander musste seinen Stammsitz verlassen.

v.l.n.r.: Sonja (Sophie von Thienen-Adlerflycht, Nichte von Elisabeth von Thienen-Adlerflycht, seit 1895 verheiratet), Alexander und Ludwig von Gleichen-Rußwurm auf der Terrasse von Schloss Greifenstein, 1897, Fotografie, Pauline Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, Deutsches Literaturarchiv Marbach

In den 1940er Jahren bemühte sich der kinderlos gebliebene Schriftsteller, die bedeutenden Nachlässe seiner Familie – die Erinnerungen an Friedrich Schiller und die künstlerischen Werke seines Vaters – in öffentlichem Besitz unterzubringen. So kamen Teilbestände des Nachlasses an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Die meisten Kunstwerke aber verkaufte Alexander von Gleichen-Rußwurm an die „Städtische Galerie“ in Würzburg.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schlossgarten in Bonnland, ölhaltige Farben auf Gewebe, 1897, Museum im Kulturspeicher Würzburg

Als Spross eines alten fränkischen Adelsgeschlechts war Ludwig Gleichen-Rußwurm also nicht nur Maler, sondern zugleich Gutsherr in Greifenstein. Die ländlichen Motive, die er für seine Bilder oft wählte, waren ihm von Kindheit an vertraut und gehörten zu seinem alltäglichen Lebensumfeld. So verwundert es nicht, dass in der Ausstellung „Landschaften im Licht – Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm“ neben Bildern aus der Umgebung Weimars zu sehen sind, sondern vor allem ländliche Szenen aus Bonnland.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, Öl auf Leinwand, 1893, Museum im Kulturspeicher Würzburg

Auch sonst gibt es motivische Bezüge nach Würzburg: Eine Radierung zum Beispiel stellt den Hofgarten der Würzburger Residenz da. Auf mehreren Aquarellen beschäftigte sich Gleichen-Rußwurm zudem mit dem berühmten Rokoko-Garten in Veitshöchheim, dem ehemaligen Sommersitz der Würzburger Fürstbischöfe.

Neues Licht auf das vorimpressionistische Werk

Als Ergebnis dieser Studien malte er 1878 ein großes Ausstellungsgemälde, das er im gleichen Jahr unter dem Titel „Verödet“ in der Berliner Akademie-Ausstellung präsentierte. Dieses über zwei Meter breite imposante Frühwerk, das nun im Weimarer Schiller-Museum die Blicke auf sich zieht, ist dem Publikum jahrzehntelang nicht zugänglich gewesen. Lose im Rahmen sitzend, von starken Frühschwundrissen und mit einem verschmutzten und gegilbten Firnis überzogen, fristete es sein Dasein im Depot des Museums. Erst anlässlich der Ausstellung konnte das Bild mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung restauriert werden; die Duftigkeit des Himmels, der freie Pinselstrich in der Landschaftsdarstellung kommen nun wieder voll zur Geltung und werfen ein neues Licht auf Gleichen-Rußwurms vorimpressionistisches Werk der 1870er Jahre.

 Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901, Museum im Kulturspeicher Würzburg

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901, Museum im Kulturspeicher Würzburg

Eine Ausstellung ist immer auch Anlass, die eigenen Bestände nicht nur wissenschaftlich aufzuarbeiten, sondern auch konservatorisch zu pflegen. Auch das in seinem expressiven Duktus überraschende letzte Werk Gleichen-Rußwurms, die „Landschaft mit Windmühle“, hat für die Ausstellung endlich wieder einen Rahmen erhalten.

Die schon vor Jahren von Gerda Wendermann, Kustodin für Malerei bei der Klassik Stiftung Weimar, angestoßene Ausstellungskooperation ist so in jeder Hinsicht ein Glücksfall. Vor allem aber erlaubt sie es, einen außergewöhnlichen Maler und Vorreiter des Impressionismus wieder zu entdecken und sein Werk in all seiner Breite zu erforschen: von den Landschaftsbildern aus Weimar und Bonnland bis hin zu den zahlreichen zauberhaften Aquarellen, die auf Reisen etwa im französischen Seebad Trouville oder auf Helgoland und Norderney entstanden.

Noch bis zum 16. Januar ist im Schiller-Museum die Ausstellung „Landschaften im Licht – Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm“ zu erleben – das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation zweier Museen. Ab Februar 2022 sind die Bilder im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen.

Auch interessant:

Nanocellulose rettet verloren geglaubte Noten

Mit Scherz und Scharfsinn: Die ganz besondere Hofdame Anna Amalias

Alle News monatlich kompakt in unserem Newsletter!

Die Kulturapp Weimar+