Gemeinsam haben der Ingenieur Jens Weber und Gestalter Andreas Wolter eine Installation entwickelt, um Gerhard Marks‘ Freundeskreis und die Beziehungen der Künstler untereinander abzubilden. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Wie visualisiert man einen Freundeskreis?

Gemeinsam haben der Ingenieur Jens Weber und Gestalter Andreas Wolter eine Installation entwickelt, um Gerhard Marcks‘ Freundeskreis und die Beziehungen der Künstler untereinander abzubilden. Wie Ihnen das gelungen ist, erklären sie im Interview.

Was hat Sie an der Aufgabe gereizt, das Netzwerk um Gerhard Marcks in einer Installation abzubilden?

Andreas Wolter: Unsere Aufgabe war es, nicht ausschließlich auf Marcks einzugehen, sondern eine Methode zu finden, ihn und seinen Freundeskreis darzustellen – möglichst ohne Interpretation. Nach Gesprächen mit den Kuratorinnen stellte sich heraus, dass Gerhard Marcks eine große Briefkorrespondenz pflegte und ein Teil der Briefe bereits digitalisiert war. Die Kommunikation zwischen den Künstlern schien uns ein fantastischer Weg, den Freundeskreis und ihr Verhältnis zueinander zu beschreiben. Nichts ist authentischer als die direkte und unveränderte Korrespondenz.

Jens Weber: So erhält man einen persönlichen Bezug zu dem Menschen, bekommt ein Gefühl für die Sprache. Das passiert in einer Ausstellung sonst eher selten.

Was waren die Herausforderungen bei der Gestaltung und Herstellung der Installation?

Andreas Wolter: Gestaltung und Herstellung sind zwei Schaffensprozesse, die gestalterisch und konzeptionell verbunden werden müssen. Wir hatten bestimmte Voraussetzungen, die wir gestalterisch lösen mussten, zum Beispiel der richtige Abstand zwischen Projektionsfläche und Beamer. Man hat technische Spielregeln, für die man eine gute Gestaltung finden muss. Da kann man sich schon einmal in Details verlieren.

Jens Weber: Hinzu kommt die Konzeptionsfrage. Wir hatten so etwas in der Art noch nie gemacht und haben überlegt, wie der mechanische Drehring optimal funktionieren könnte, ohne dass er den finanziellen Rahmen sprengt. Wir mussten mit Prototypen arbeiten, um herauszufinden, was machbar ist.

Andreas Wolter: Außerdem wollten wir etwas ästhetisch Ansprechendes schaffen und nicht die technische Seite in den Vordergrund stellen. Die Installation sollte gestalterisch zum Thema der Ausstellung passen und deshalb war es uns wichtig, mit Materialien wie Holz oder Metall zu arbeiten. Dass es eine Projektion wird, war relativ schnell klar, aber wir wollten etwas konzipieren, das sich schön anfassen lässt; etwas Außergewöhnliches, keinen Fremdkörper wie beispielsweise einen Touchscreen. Und, da es sich an ein durchmischtes Publikum richtet, musste es einfach und intuitiv zu bedienen sein.

Sie haben sich ja zwangsläufig mit Marcks‘ Freundeskreis beschäftigt. Haben Sie persönliche Lieblingsbriefe?

Andreas Wolter: Die Briefe zwischen Marcks und Gropius fand ich besonders interessant. Gropius hat seinen alten Freund ans Bauhaus geholt und im Laufe der Zeit stellte sich immer deutlicher heraus, dass sie unterschiedliche Ziele verfolgten. In den Briefen wird ersichtlich, dass sie dennoch versucht haben, sich respektvoll zu arrangieren.

Jens Weber: Ich bin im Nachhinein immer wieder erstaunt, wie wenig ich von den Exponaten inhaltlich mitbekomme. Man beschäftigt sich so lange damit, achtet aber mehr auf das Layout und auf funktionale Aspekte. Ich komme immer erst dann zum Lesen, wenn alles fertig ist und ich die Ausstellung in Ruhe ansehen kann.

Andreas Wolter: Die meisten Ausstellungsarchitekten würden wohl sagen, dass die detaillierte Auseinandersetzung mit der Kunst im Nachhinein stattfindet.

Früher wurde enger Kontakt, aber auch fachlicher Austausch durch Briefe aufrechterhalten. Wie ist es heute? Haben Sie ähnlich starke Verbindungen zu anderen Designern?

Jens Weber: Die schriftliche Auseinandersetzung über Kunst und Design gibt es in meinem Umfeld praktisch nicht. Eine solche Briefkultur ist mit der digitalen Vernetzung doch verloren gegangen.

Andreas Wolter: Das würde ich auch behaupten, ohne es sicher zu wissen. Man unterhält sich mit befreundeten Gestaltern über seine Projekte, aber man schreibt sich nicht gegenseitig. Früher war der Brief die einzige Möglichkeit, über größere Distanzen zu kommunizieren. Das Schreiben eines Briefs fordert aber auch eine Schärfung der eigenen Position: Ich muss genau überlegen, was ich eigentlich kommunizieren möchte. Dadurch treten Emotionen wie Wut stärker hervor. Das lässt sich an den Briefen der Marcks-Ausstellung sehen.

Sind Sie mit Ihrer Installation zufrieden, sowohl mit dem Aussehen als auch der Funktionalität?

Andreas Wolter: Ja, schon. Aber wir müssen noch feststellen, ob auch wirklich alles funktioniert und damit meine ich, ob die Besucher das Angebot annehmen.

Jens Weber: Wir wünschen uns, dass die Leute hier sitzen und lesen, sich in die Briefe vertiefen. Dann ist es ein Erfolg.

Die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« findet vom 17.  August bis 5. November 2017 im Neuen Museum in Weimar statt. Anschließend wird sie vom 26. November bis 4. März 2018 im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zu sehen sein.

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