Porträt Pater Theodor Bogler mit von ihm entworfenen Keramik-Gefäßen, 1965. Foto: unbekannt / Bauhaus-Archiv Berlin

Theodor Bogler:
Vom Bauhaus ins Kloster

Obwohl das Bauhaus landläufig für Avantgarde und radikalen Traditionsbruch steht, setzten sich gerade zu Beginn viele Studierende intensiv mit religiösen Themen auseinander. Anke Blümm hat vier Biographien solcher Bauhäusler näher betrachtet und stellt einen genauer dar.

Sicherlich einen der ungewöhnlichsten Lebenswege im Freundeskreis um Marcks ging Theodor Bogler. 1897 in Hofgeismar geboren, trat er 1920 in die Dornburger Keramikwerkstatt ein und machte 1922 seine Gesellenprüfung. Bekannt ist Bogler für den Entwurf der Mokkamaschine und die Kombinationsteekanne, die frühe Resultate der Serienproduktion am Bauhaus Weimar darstellen. Entwickelt hatte er sie als Schüler der keramischen Werkstatt in Dornburg an der Saale. Eine Kommilitonin in Dornburg erinnerte sich später an Boglers Vorgehen:

Dann kam Bogler, der war nun wieder der geborene Nicht-Töpfer. Seine Intelligenz war ihm im Wege. Er sagte, warum soll ich eine zur Vollendung getriebene Form noch mal mit der Hand machen, sie kann nur schwächer werden. Also schloss er messerscharf, dass man die Teekanne als Hochform in ihre Bestandteile zerlegen kann, und dann in Gips gießen. Das tat er, und je nach der Zusammensetzung entstanden sechs oder acht verschiedene Teekannen. Damit hatte er als einziger bisher den Schritt vom Handwerk zur Industrie vollzogen, in vollkommener Logik. Das Ergebnis war sehr elegant, aber zu kühl.

Theodor Bogler war der Typenproduktion und Serienherstellung gegenüber sehr aufgeschlossen und nach dem Wegzug des Bauhauses aus Weimar nahm er eine Stellung als Leiter der Form- und Modellwerkstatt in den Ofenfabriken in Velten an. Eine erfolgreiche Entwurfstätigkeit für die Industrie schien eigentlich vorgezeichnet.

Theodor Bogler (Entwurf), Aelteste Volkstedter Porzellanfabrik (Ausformung), Mokkamaschine, 1923, Klassik Stiftung Weimar, Benediktinerabtei Maria Laach

Theodor Bogler (Entwurf), Aelteste Volkstedter Porzellanfabrik (Ausformung), Mokkamaschine, 1923, Klassik Stiftung Weimar, Benediktinerabtei Maria Laach

Umso überraschender ist sein späterer Werdegang. 1922 hatte er in Dornburg Theodora Kaysel geheiratet, die Witwe eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Offiziers. Sie entwickelte eine psychische Krankheit, die mit religiösen Wahnvorstellungen einherging. Bogler, aus einer protestantischen, jedoch nicht besonders kirchlichen Familie stammend, kam dadurch in einen intensiven Kontakt mit dem katholischen Glauben. Als sich seine Frau am Karfreitag des Jahres 1925 das Leben nahm, war das für ihn der Anlass, unmittelbar zum katholischen Glauben zu konvertieren. Doch seine Beschäftigung mit der Religion ging noch weiter: 1927 beschloss er, Mönch zu werden, und trat dafür in den Benediktinerorden Maria Laach ein. In dieser Zeit entstanden Keramiken mit religiöser Motivik, dennoch hat er zeit seines Lebens weiterhin auch profane Gefäße entworfen.

Über seinen ungewöhnlichen Werdegang hat sich Theodor Bogler später in seinem Leben mehrfach geäußert. Sieben Jahre nach dem Eintritt ins Kloster Maria Laach bekam er von seinem Abt den Auftrag, seinen Lebensweg und insbesondere das Mönchsdasein zu beschreiben. Daraus entstand das Buch »Soldat und Mönch«, das 1936 erstmals publiziert wurde. Der Zeitpunkt der Publikation geschah nicht zufällig. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und der immer weiter fortschreitenden Militarisierung der Gesellschaft schien der Mönchsberuf unmännlich und nicht mehr zeitgemäß. Der Abt – wie auch Theodor Bogler – fühlten sich bemüßigt, ihren Berufsstand zu rechtfertigen.

Theodor Bogler, Marienfigur, betend, 1927–1931, Velten-Vordamm, Stadtmuseum Berlin, Fotografie: Oliver Ziebe

Theodor Bogler, Marienfigur, betend, 1927–1931, Velten-Vordamm, Stadtmuseum Berlin, Fotografie: Oliver Ziebe

Bogler war geradezu prädestiniert dazu, eine solche Verteidigung zu schreiben: Aus einer nationalgesinnten Kaufmannsfamilie stammend, hatte er aus Überzeugung im 1. Weltkrieg gekämpft. Die Gründung der Republik hatte er als Verrat empfunden und zu den ersten freien Wahlen die Überzeugung vertreten, dass »man gar nicht weit genug nach ‚rechts‘ wählen [könne], nur dort allein seien unsere, der Soldaten, Belange gewährleistet,« wie er in seinem Buch schrieb. Darüber hinaus sind seine direkten Vergleiche zwischen Kasernenhof und Klostergemeinschaft, die Übernahme nationalsozialistischer Terminologie sowie antijüdische Deutungen und das Bedauern eines »jüdischen Einfluss« am Bauhaus, heutzutage als hochproblematisch einzustufen. Diese Passagen fehlen in der neubearbeiteten Auflage des Buches, das 1959 unter dem Titel »Ein Mönch erzählt« erschien.

So vereint Theodor Bogler viele Eigenschaften, die wir landläufig nicht mit dem Bauhaus verbinden: politisch rechts eingestellt, national gesinnt, tiefreligiös. Mit seinem Lehrer Gerhard Marcks hat er später keinen so engen Kontakt gehabt, wie es von anderen Dornburger Schülerinnen und Schülern nachgewiesen ist. Dennoch hatte seine Bauhaus-Zeit in Dornburg und die Persönlichkeit seines Lehrers Marcks einen nachhaltigen Einfluss auf ihn, wie er Marcks 1959 schreibt:

Ihr Leben ist ja inzwischen andere Kreise gezogen, weitere, größere, bedeutendere, als es das kleine bescheidenere Dornburg war, und dennoch soll nicht vergessen sein, was damals war und was Sie uns damals waren, ich denke oft daran.

1968 verstarb Theodor Bogler in Maria Laach.

Anke Blümm, Kuratorin der Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis«, spricht am 24. August 2017 in ihrem Vortrag »Vorbei am Christentum kommt man nicht« über die Bezugspunkte zur christlichen Tradition bei Gerhard Marcks, Johannes Driesch, Wolfgang Tümpel und Theodor Bogler.

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