Rosmarie Weinlich, Träumer, Blaue Kristallgestalt, Porzellan, Kupfersulfat, 9 x 4 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

Rosmarie Weinlich, Tänzer, Violette Kristallgestalt, Porzellan, Chromoxid, 14 x 7 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

»Träumer und Tänzer«

»Von Winckelmann inspiriert – Bauhaus-Künstler zwischen moderner Antike und antiker Moderne«: Rosmarie Weinlich befasst sich mit der Schönheit in der Sterblichkeit, der Wohlgestalt im Zerfall.

Folgt man den Ausführungen von Winckelmann, so liegt die Kenntnis der Darstellung der Ideal-Schönheit im Studieren antiker Statuen aus Griechenland, deren Vollkommenheit in »edler Einfalt und stiller Größe« liege. Denn genau diese Darstellung der »Idealischen Schönheit«, das »Urbild« des Schönen, gehe einher mit der Nachahmung der Natur, der eine Seele zuwachse.

Demnach soll die Kunst eine ideale Gestalt haben, wobei diese umgekehrt der künstlichen Darstellung bedürfe. So liege die Kenntnis der vollkommenden Schönheit des Menschen nicht allein in dessen schönster Natur, sondern auch in einer sinnlichen Schönheit, welche sich über die Natur selbst erhebe; ihr Urbild ist eine im Verstande entworfene geistige Natur.

Rosmarie Weinlich, Tänzer, Violette Kristallgestalt, Porzellan, Chromoxid, 14 x 7 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

Rosmarie Weinlich, Tänzer, Violette Kristallgestalt, Porzellan, Chromoxid, 14 x 7 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

Gegenstand meiner Betrachtung ist die körperliche Schönheit, mein Anliegen aber die Seele. In meiner steten künstlerischen Auseinandersetzung mit der Mortalität, dem Leben und Vergehen, fordert diese kleinere Objektarbeit ein Gespräch mit Winckelmann über die Schönheit in der Sterblichkeit, der Wohlgestalt im Zerfall.

Die über die Zeit beschädigten Porzellanpuppen werden in ihrer Gestalt durch Kristalle ergänzt. Der zerstörten körperlichen Modellform erwächst eine neue Schönheit. Mein künstlerisches Interesse gilt hierbei vor allem dem Prozess, dem Wachstum der Kristallmorphologie. Diese wirkt direkt als Gestalter auf das Unvollkommene, ist keine bloße Nachahmung der äußerlichen Wirklichkeit, sondern die Natur selbst, die den Objekten Atem einhaucht, eine Seele gibt.

Rosmarie Weinlich, Träumer, Blaue Kristallgestalt, Porzellan, Kupfersulfat, 9 x 4 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

Rosmarie Weinlich, Träumer, Blaue Kristallgestalt, Porzellan, Kupfersulfat, 9 x 4 x 4 cm © Rosmarie Weinlich

Unter dem Motto »Von Winckelmann inspiriert – Bauhaus-Künstler zwischen moderner Antike und antiker Moderne« haben wir Künstlerinnen und Künstler der Bauhaus-Universität Weimar dazu eingeladen, sich kreativ mit Johann Joachim Winckelmann und seinem Wirken zu beschäftigen. Bis zum Ende der Ausstellung am 2. Juli veröffentlichen wir die unterschiedlichen Ergebnisse dieser künstlerischen Zusammenarbeit wöchentlich im Blog.

Rosmarie Weinlich

Geboren 1984 in Erfurt geboren, studierte Rosmarie Weinlich Freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar sowie am Milwaukee Institute of Art and Design in den USA. Seit 2006 stellt sie vor allem in Deutschland, aber auch in Israel, der Schweiz, den Niederlanden, Polen und den USA aus. Rosmarie Weinlich lebt als freiberufliche Künstlerin in Erfurt.

Die Ausstellung »Winckelmann. Moderne Antike« ist vom 7. April bis 2. Juli 2017 im Neuen Museum in Weimar zu sehen.

zur Website der Künstlerin

zur Winckelmann-Ausstellung

Mehr »Von Winckelmann inspiriert«:

Franziska Becher: »OPOLUS«

Cathleen Guthmann: »bottomless«

Philipp Valenta: »Rainbow – Das Leben ist bunt«

Benedikt Braun: »Ich sehe was, was du nicht siehst«

Carolin Gasse: »Contour & Contenu«

Anne Krausz: »Torso«

Anna Heyde: »Edle Einfalt, stille Größe«

Gökçen Dilek Acay: Schönheitsideale aus dem 3D-Drucker

Theresa Berger über zu perfekte Schönheit