In der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wird zurzeit ein Gerät zur 3D-Projektion von digitalisierten Büchern getestet. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Digitale Bücher in 3D –
ein Gewinn für die Bibliothek?

3D-Objektdarstellung, Gestensteuerung  ̶  manch einer mag hier an die Welt der Filme und Computerspiele denken. Doch lässt sich diese Technik auch gewinnbringend für Bibliotheken und ihre Nutzer einsetzen? »Das sollen unsere Besucherinnen und Besucher jetzt austesten«, sagt Anja Jungbluth, Leiterin der Abteilung »Digitaler Service, Digitalisierungszentrum und Fotothek« der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Sie steht im Studienzentrum der Bibliothek neben einer etwa zwei Meter hohen, schwarz glänzenden Konsole, dem Modell ZED 10 der Firma Zeutschel. Es sei zunächst einmal ein Gerät zur Darstellung von 3D-Objekten beliebiger Art, erläutert Jungbluth. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek teste das Gerät für die Präsentation ausgewählter seltener oder besonders fragiler Bücher. Das Besondere an der Darstellung: Nachdem die 3D-Objekte in das Gerät eingepflegt worden sind, haben die Besucher interaktiven Zugriff darauf. »Der Bildschirm ist mit einer Kamera verbunden. Man stellt sich mittig auf die am Boden befindliche Markierung; sobald sich Hände im Erfassungsbereich der Kamera befinden, kann das Gerät die Gesten des Betrachtenden erkennen und in Befehle umsetzen. So können die Werke vergrößert oder verkleinert, der Einband von allen Seiten betrachtet als auch einzelne Seiten inspiziert werden. Durch das spezielle Anzeigegerät kann ein 3D-Effekt auch ohne die bisher notwendige 3D-Brille erzielt werden.«

Zu sehen sind die berühmte Luther-Bibel und ein restauriertes Aschebuch. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Zu sehen sind die berühmte Luther-Bibel und ein restauriertes Aschebuch. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Die derzeit zur Ansicht vorliegenden Bücher – die berühmte Lutherbibel sowie ein restauriertes Aschebuch – wurden von der Firma Zeutschel aus den bereits vorhandenen, hochauflösenden 2D-Digitalisaten der Anna Amalia Bibliothek eigens zusammengefügt und mittels einer Software für die 3D-Darstellung aufbereitet. »Wir planen aber auch, vor Ablauf der Testzeit in unserer Werkstatt ein eigenes Präsentationsobjekt zusammenzustellen«, kündigt Jungbluth an.

Einen besonderen Anlass habe der Test nicht gebraucht, sagt Jungbluth. »Ziel der Digitalisierungsabteilung war es schon immer, unseren Besuchern die Bestände der Bibliothek so anschaulich und greifbar wie möglich zu präsentieren. Dazu gehört auch, dass wir immer wieder technische Neuerungen ausprobieren.« Aus diesem Grund ist auch die für die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« entwickelte Installation im Studienzentrum zu sehen und kann dort ausprobiert werden. Sie vereint Holz und Technik miteinander und visualisiert den Freundeskreis um Gerhard Marcks.

Die für die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« entwickelte Installation visualisiert den Freundeskreis um Gerhard Marcks. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Die für die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« entwickelte Installation visualisiert den Freundeskreis um Gerhard Marcks. Foto: Klassik Stiftung Weimar

»Mit der Aufnahme und Bereitstellung hochauflösender 2D-Digitalisate von unseren seltenen, herausragenden oder häufig genutzten Beständen beschäftigen wir uns schon lange; darauf liegt auch nach wie vor unser Hauptaugenmerk«, sagt Anja Jungbluth. Die digitalen Sammlungen, die kontinuierlich durch neu erschlossene Werke ergänzt werden, sind das stetig wachsende Ergebnis dieser Bemühungen. Zum Lesen und Forschen seien die vorhandenen 2D-Digitalisate derzeit noch besser geeignet als die 3D-Präsentationstechnik, da man dabei möglichst schnell zwischen Seitenansichten wechseln oder detailgetreue Ansichten einzelner Seiten erhalten möchte. Aber das Gerät könne Interessierten fragile und schöne Bücher in ihrer Gänze vor Augen führen, die sonst nur mit größter Vorsicht von Fachpersonal gehandhabt werden dürfen.

Ob die 3D-Präsentation in Zukunft in der Bibliothek eine prominente Rolle spiele, sei allerdings noch keinesfalls sicher. Weitere Tests seien geplant, sagt Anja Jungbluth.

Das Darstellungsgerät ZED 10 kann noch bis zum 11. Juni im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek getestet werden.

Mehr aus der Bibliothek:

Die Geschichte des Lesesaals in Bibliotheken

Klaus Ceynowa über die Zukunft der Forschungsbibliothek

30.000 Datensätze und neun Wochen Zeit

Ein Kommentar

  • Eine wirklich spannende Umsetzung digitaler Möglichkeiten. Vielleicht werden damit in Zukunft ja noch weitere Objekte für mehr Interessierte als bisher zugänglich, die bisher aus konservatorischen Gründen nur eingeschränkt nutzbar waren. Alles Gute für die weiteren Bemühungen in dieser Richtung!

    Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

    Deutsches Uhrenmuseum -